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Unsere Kinder als Erwachsene- Loslassen und sich dennoch nah sein

  • Autorenbild: Dr. Jutta Weber
    Dr. Jutta Weber
  • 11. Nov. 2024
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 13. Nov. 2024



Rückblickend verging die Zeit für uns wie im Flug: unsere Kinder sind plötzlich nicht nur volljährig, sondern auch ausgezogen, leben in ihrer eigenen Wohnung, in einer anderen Stadt, einem anderen Land oder sogar auf einem anderen Kontinent.

Wie können wir es schaffen, mit ihnen in gutem Kontakt zu bleiben, für sie eine Anlaufstelle zu sein, mit ihnen ein erwachsenes Leben zu führen?

Die Schwierigkeit für mich als Mutter, für uns als Eltern besteht unter anderem darin, dass wir in unserem auf irgendeine Art strukturierten Leben leben und unsere Kinder einen zentralen Teil dieser Struktur ausmachen. Das bleibt auch so, wenn die Kinder älter werden. Sie bleiben ein zentraler Teil unseres Lebens, unseres Denkens und Wollens. Wenn sie ausziehen, wegziehen, bleibt bei uns eine Lücke. Auch, wenn wir diese mit Zeit für uns, dem Partner oder der Partnerin und mit Freund:innen, mit mehr Arbeit etc. füllen können (und auch vieles an dem mehr an Zeit genießen) bleibt doch ein Verlust.

Für unsere Kinder ist der Eintritt ins Erwachsenenleben, der Auszug von den Eltern kein Verlust, sondern ganz im Gegenteil ein Zugewinn. 

Sie leben selbstbestimmt, setzen auch großer Entscheidungen eigenständig um, führen enge Freundschaften und Partnerschaften, entwickeln eigene Lebensentwürfe.

Wenn es gut läuft und wir ihnen mehr auf Augenhöhe und interessiert begegnen, als sie zu bevormunden und zu verbessern, besprechen sie ihre Gedanken und Pläne gerne mit uns, die Entscheidungen aber treffen sie alleine.

Die Erfahrungen, die wir im Laufe unseres Lebens gemacht haben, lassen uns eventuell in vielen Bereichen vorsichtiger sein und bedachter handeln.

Junge Erwachsene sind oft risikobereiter, spüren den Reiz von Neuem, suchen besondere Erfahrungen.

Sie machen sich auf den Weg in einen eigenen Alltag, an dem wir bestenfalls teilhaben, aber in dem wir keine zentrale Rolle mehr spielen.

Das soll nicht heißen, dass wir unseren Kindern nicht mehr wichtig sind. Mehr denn je wollen heutzutage Jugendliche und junge Erwachsene mit ihren Eltern in gutem Kontakt bleiben. Viele von ihnen sind mit ihren Eltern zufrieden und haben zu beiden Elternteilen eine gute Beziehung.

Dennoch sind in der Zeit des Aufbruchs aus dem Elternhaus Eltern im besten Fall eine verlässliche Konstante, von der man weiß, dass sie eine Anlaufstelle für den emotionalen/ finanziellen Notfall darstellt, um die man sich aber aller meistens wenig Gedanken und am besten keine Sorgen machen muss.

Ob die Beziehung zwischen erwachsenen Kindern und ihren Eltern funktioniert hängt zu einem nicht unwesentlichen Teil von der Akzeptanz dieses Umstandes ab. Wir sind nicht mehr das, was unsere Kinder hauptsächlich brauchen, um glücklich zu sein.

Eine gelungene Loslösung bedeutet, dass wir im Leben unsere Kinder von der Hauptrolle auf eine für den Ausgang des Theaterstückes wichtige Nebenrolle umbesetzt werden.

Wichtig ist dabei nicht, in welcher Art und Weise wir als Vater und Mutter leben, ob wir getrennt sind, neue Partner:innen haben, allein erziehend sind. Wichtig ist, dass wir kein permanentes Problem darstellen, wir unsere Kinder nicht damit binden (wollen), dass sie sich um uns Sorgen, sich um uns kümmern müssen.

Krankheiten können wir nicht beeinflussen, andere Schicksalsschläge ebenso wenig.

Wie wir aber damit umgehen, liegt in unserer Hand. Wir entscheiden, welche Verantwortungen für unser Leben wir unseren Kindern zuschustern.

Natürlich sollen und wollen auch erwachsene Kinder teilhaben an den Sorgen und Nöten der Eltern und sie im Krankheitsfall unterstützen. Unsere Haltung dabei ist jedoch wichtig: wir können diese Unterstützung nicht erwarten. Was kommt ist gut, aber wir haben kein Anrecht darauf, sollten keinen emotionalen Druck aufbauen.

Eltern brauchen Freundinnen und Freunde, eigene Bezüge, Hobbys, Kolleg:inn



en mit denen sie sich austauschen. Unsere Kinder brauchen ihre Energie für vieles. Dass sie sich um uns kümmern müssen, lässt sich bestens Falls vermeiden.

Wir alle haben Erwartungen an unser Leben. Gute Beziehungen gehören sicher zu den Faktoren, die sich jeder für sein Leben wünscht. Auch Beziehungen zwischen Gleichaltrigen funktionieren besonders gut, wenn nicht zu viele Erwartungen an das Gegenüber geknüpft sind. Natürlich müssen ein paar grundlegende Ansichten, Vorlieben, Interessen zueinander passen. Wäre das nicht so, wäre man nicht befreundet. Wenn aber eine gewachsene Freundschaft besteht, macht es sie besser, die andere/den anderen in ihrer/seiner Andersartigkeit zu erkennen und anzunehmen und wohlwollend und zugewandt in seinen Anliegen und Vorhaben zu unterstützen. Das macht Freundschaft aus und gilt auch in ganz besonderem Maße für eine Eltern- Kind- Beziehung, in der das Kind eben kein Kind mehr ist, sondern eine selbstverantwortliche erwachsene Person.

Je erwartungsfreier die Beziehung- letztendlich von beiden Seiten- vor allem aber von Seiten der Eltern verläuft, um so mehr kann die Beziehung atmen und fließen.




Ich habe vier Kinder- alle sind längst erwachsen. Lange schon dachte ich, dass das ein oder andere vielleicht zum letzten Mal passiert ist- dass wir alle zusammen im Urlaub sind, alle zusammen unsere Geburtstage feiern oder Weihnachten. Aber noch immer kommt das alles immer wieder vor. Meine Kinder reisen viel und wohnen teilweise weiter weg, aber an Weihnachten sind wir in der Regel alle zusammen, ebenso an unseren vielen Geburtstagen und Urlaube verbringen wir auch immer noch gerne miteinander- ein paar Tage Überschneidungen mit allen sind fast immer möglich.

Manchmal steht mein Handy nicht still und ich habe sonntags um 10 Uhr schon mit allen vieren telefoniert, manchmal höre ich tagelang nichts außer Nachrichten in unserem Familienchat. Plötzlich sind alle samstags da zum Eintopfessen und helfen danach beim Laubfegen.

Wenn wir zusammen waren, die Kinder inzwischen meist mit ihren die Runde bereichernden Partner:innen , bin ich ein bisschen wehmütig, wenn sie gehen. Oft bleiben sie mehrere Tage. Dann ist das Haus danach mit einem Mal seltsam still.

Es ist aber auch wunderbar zu wissen, dass sie sich wo und wie auch immer, jede/r für sich bunt und interessant in ihrem eigenen Leben eingerichtet haben.

Manchmal blicke ich dann mit einem Tee in der Hand in den Garten, lasse das ein oder andere Gespräch Revue passieren und genieße die Ruhe nach dem belebten Chaos, das bei uns besteht, wenn wir alle viel redend, viel essend, debattierend, uns auch mal streitend beieinander waren.

Wenn wir unsere Kinder so wollen, lieben und akzeptieren, wie sie sind und nicht so, wie wir sie vielleicht am liebsten hätten und wenn unsere Kinder das auch mit uns so handhaben können, dann können wir es schaffen, uns bei aller Autonomie nah zu bleiben und uns immer wieder aufeinander zu freuen.

 

 
 
 

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